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geschrieben am: 17. August 2026

Pfirsich und Pflaume am Mittelrhein

Ein Tagesausflug mit unerhörten Obstvariationen und bester Aussicht.

Eine Genusswanderung stand für heute auf dem Programm und ich befürchte, das Wort „Genuss“ wird in diesem Text noch häufig vorkommen. Aber es lässt sich nicht vermeiden. Denn zuerst einmal gab es einen wunderbaren visuellen Genuss, da Jürgen, unser Fahrer, schon bald die Autobahn verließ und wir mit herrlichen Ausblicken den Rhein entlangfuhren. Vorbei am Oestricher Kran und Rüdesheim konnten wir schon mit Blick auf Bingen sehr schnell erkennen, was die Trockenheit gerade mit dem Rhein machte. Es wirkte, als wenn der Mäuseturm völlig trocken liegt und zu Fuß erreichbar wäre. Viele Menschen waren auf dem jetzt breiten Uferrand unterwegs, sogar Sondengänger waren zu entdecken. Und wir entdeckten die berühmte Burgenvielfalt, immerhin sind im Weltkulturerbe Mittelrheintal unterwegs! Burg Rheinstein, Burg Reichenstein, man könnte noch viele aufzählen.

      

Bald kam Bacharach mit Burg Stahleck und die Wernerkapelle (eine gotische Kirchenruine) in Sicht. Die Burg Pfalzgrafenstein zog auf dieser wunderbaren Panoramafahrt ganz nah an uns vorbei und die Loreley konnten wir auch kurz grüßen. Die Eindrücke waren toll und zeigten wieder einmal, dass es noch vieles zu erkunden und zu entdecken gibt.

   

Genuss pur bei strahlend blauem Himmel schon auf der Anreise

Wir erreichten pünktlich unser Ziel, wo uns schon Frank Böwingloh, Landschaftsarchitekt, Kirschexperte und Gästeführer, erwartete. Er wird uns auf unserer Wanderung über den Filsener Kirschenpfad begleiten. Im Gepäck hatte er jede Menge Informatives und reichlich kleine Köstlichkeiten.

Erst einmal ging es gemeinsam zum Dorfplatz, wo wir, gut geschützt unter dem großen Sonnensegel, etwas über die Entwicklung des Kirschenpfades, über die Vielfalt der Obstsorten, die Deutsche Genbank Obst und über seine persönliche Intention erfuhren. Und über das Team an Freiwilligen, ohne die solche Veranstaltungen gar nicht möglich wären. Dann gings los zum Kirschenpfad über eine durchaus steil ansteigende Straße. Bei diesen Temperaturen war das schon etwas anstrengend.

Vorher passierten wir allerdings ein ganz besonderes Gebäude, die Wachport. Das alte Rathaus von Filsen, gerne auch als „Hochschule“ bezeichnet, stammt aus dem Jahr 1611 und ist eine Rarität. Es gibt nur noch wenige Fachwerkhäuser, die über einen Torbogen erbaut wurden. Ab 1811 wurde der Gemeindesaal im 2.Stock zum Schulsaal und somit im wahrsten Sinne zur „Hochschule.“

      

Uns erwartete dann an der ersten Station, den fotogenen Sitzkirschen, ein besonderer, diesmal flüssiger Genuss: Zum einen ein Apfel-Kirsch-Secco. „Ein fein ausgebauter Apfelwein aus heimischem Streuobst und dem Saft der Mittelrheinkirsche, veredelt zu einem spritzigen Secco“, konnte man lesen. Zum anderen eine alkoholfreie Variante, ein Amorella Kirsch Fizz. Ein reiner Kirsch-Trauben-Saft mit Kohlensäure. Beides sehr lecker. Was stand auf der Secco Flasche? „Ein Genuss auf Welterbe-Niveau“. Während wir die beiden Sorten probierten, erfuhren wir so einiges über die Kirschentradition und ihre Entwicklung im oberen Mittelrheintal und über die Vielfalt der hiesigen Kirschen. Allein 80 der alten und teilweise vom Aussterben bedrohten Sorten werden durch die Genbank Obst geschützt. Die Bäume/Früchte werden auch in Bezug auf ihre Anpassungsfähigkeit hinsichtlich Standort und Klima beobachtet. Umso unverständlicher die Geschichte, die Frank Böwingloh erzählte, dass im 3,5 ha großen Sortengarten nicht einfach ein paar Kirschen zum Naschen gepflückt werden, sondern ganze Zweige abgebrochen werden.

Die Vielfalt der Kirschen erlebten wir heute nicht, waren wir doch unterwegs zu Pfirsich und Pflaume. Und doch: An der nächsten Station, unter einem schattigen Baum gab es etwas ganz Besonderes zu Probieren: getrocknete Kirschblüten. Unser Wanderführer hatte uns schon von den getrockneten Kirschen erzählt, aber Kirschblüten? An dieser Station ging es ums Schmecken und Riechen. Vielen von uns war nicht bewusst, dass die Komplexität der Aromen im Rachen über den Geruchssinn durch gutes Kauen entsteht. Ein spannendes kleines Experiment.

Was für Obstvariationen!

Und weiter ging es auf dem Wanderweg. An der Station „Anderes Steinobst“ standen dann unsere heutigen Protagonisten im Mittelpunkt: Pflaume, Pfirsich und Aprikose. Auch hier eine unglaubliche Vielfalt, die es zu entdecken galt. Uns erwarteten drei gut gefüllte Tische. Los ging es mit Aprikosen. Da gab es die sehr leckere kleine „Vertige“ und fünf Sorten getrocknete Aprikosen, wie die Pink Mary, die Lotte oder die Bergeval. Auch getrocknet ein Genuss und kein Vergleich mit dem, was wir so im Supermarkt kaufen. Und dann gab es noch einen Aprikosen-Limetten-Mojito, sehr erfrischend.

      

Als nächstes wandten wir uns den Pfirsichen zu. Auch hier gab es frische und getrocknete Variationen. Ein besonderes Highlight waren allerdings die kleinen Weißbrotscheiben mit einer Weinbergpfirsich-Mandel-Lavendelhonig-Paste. Ein ganz außergewöhnlicher Genuss! Diese Leckerei und die anderen Gerichte stammen übrigens alle von Frank Böwingloh.

Der dritte Tisch überraschte uns mit seiner Vielfalt an Pflaumen. Sie reichte von der Kaiserreineclaude über die Auerbacher bis zur Aprikosenpflaume. Es gab Frisches und Getrocknetes zu probieren und ein Pflaumenpesto mit reichlich Knoblauch. Erstaunlich die Sortenvielfalt allein hier im Filsener Erhaltungsgarten. Wir zogen weiter auf dem Kirschpfad mit einem kleinen Stopp an einer Wiese mit schönem Blick auf Filsen und die Bopparder Schwebebahn und dem Hinweis auf das Kirschblütenpicknick im Frühling. Das ist sicher auch einen Besuch wert, Japan ist einfach zu weit. Auf teilweise sehr schmalen Weg ging es weiter und dann steil hinunter zu einem Aussichtspunkt mit Bänken. Und weiter gings genauso steil über etwas hohe Treppenstufen zurück. Ein wenig Kondition war also durchaus nötig.

Wunderbar die alten Obstbäume am Weg, es soll sogar 100jährige geben. Unsere kleine hochinformative Wanderung mit herrlichen Ausblicken erreichte allmählich ihr Ziel, eine Grillhütte. Hier hatten die freiwilligen Helferinnen ganze Arbeit geleistet. Ein kleines „Drei Gänge Menü“ erwartete uns, sozusagen ein Genuss-Highlight. Auf dem Löffel befand sich: Ein Aprikosengel mit orientalischer Gewürzlinsen, Limetten Joghurt, Taglilie und Rote Salbei Blüte. Einfach nur köstlich. Als nächstes gab es Pflaumen-Tarteletts mit Schafskäse, Gartenkräuter und Schmand und als Dessert wartete auf uns ein Glas mit Weinbergpfirsich auf Thymianlikör-Griesflammerie mit karamellisierter Pekannuss. Die Genusswanderreise hatte ihren krönenden Abschluss! Ein großes Dankeschön an Frank Böwingloh und seine Helferinnen.

      

Und dann gab es noch die Rückfahrt, die uns entlang der Bäderstraße über Wiesbaden wieder nach Frankfurt führte. Toll war es. Bis zum nächsten Ausflug. Denn wie hieß es so schön auf dem Kirschenpfad:

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